Vom ersten Hochgefühl einer Schwangerschaft, der Freude in der Familie und dem Tiefpunkt einer Fehlgeburt

„Herzlichen Glückwunsch, Sie sind schwanger!“ sind die einzigen Worte, die man von seiner Frauenärztin beim ersten Termin zur Schwangerschaftsfeststellung hören will. Auf diese Worte haben auch mein Freund und ich gut 4 Wochen hin gefiebert nach dem positiven Schwangerschaftstest. Seien wir mal ehrlich, so ein Test ist toll und praktisch für zu Hause und für eine schnelle erste Gewissheit, aber die fachliche Bestätigung hat doch noch einen anderen Charakter. Auch wenn unsere Schwangerschaft nicht geplant war, war der erste Termin trotzdem sehr aufregend.

Schon vor dem Schwangerschaftstest hatte ich so ein Gefühl, dass meine Regel irgendwie nicht einsetzen würde. Nach 2 Tagen Verzögerung, bin ich an einem Samstagmorgen gegen 9:30 schließlich zu meinem Rossmann des Vertrauens gegangen, in der Hoffnung er möge schon geöffnet sein. Nach einer gefühlten Ewigkeit war ich nun wieder zu Hause und musste zum Glück auch auf die Toilette. Ich habe gleich 2 Tests gekauft, denn man weiß schließlich nie… Als ich nach langen 3 Minuten des Wartens das Ergebnis sah und mein Freund dann auch mal neugierig geschaut hatte, habe ich nicht wie erwartet Freudentränen geweint, sondern weinte aus Verzweiflung. Mein Lebensziel, eine Familie, schien sich endlich zu erfüllen und ich heulte Rotz und Wasser, weil es ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt für uns war. Basti behielt entgegen meinen Erwartungen einen kühlen Kopf und war eher wegen meines Gefühlsausbruches besorgt. Nachdem ich mich beruhigt hatte und wir erstmal grundsätzlich geklärt haben, dass wir das Baby behalten, kam bei mir zum Glück schnell die erste Freude auf. Basti war dem Anschein nach eher überfordert, aber das beunruhigte mich keinesfalls, schließlich war auch ich trotz der Freude noch ziemlich verunsichert bezüglich unserer bevorstehenden Zukunft. Wir sind dann erstmal zu einem Fußballspiel (RB Leipzig gegen Wolfsburg) gegangen und danach lecker essen gewesen. Am nächsten Tag ging es zu meinen Eltern zum Kaffee trinken. Entgegen meiner ersten Intention erstmal niemandem was zu erzählen, konnte ich es dann gar nicht mehr abwarten ihnen zu verkünden, dass sie Großeltern werden würden. Ich glaube richtig begriffen haben es beide in dem Moment nicht und auch meine Schwester hat diese Nachricht erst nach ein paar Sekunden erreicht, denn schließlich kam es auch für die drei unerwartet. Typisch Mädchen habe ich mich erstmal mit meiner Mama beratschlagt, was ich darf, was nicht und worauf ich achten muss im ersten Trimester. Am Montag ging es dann nach der Arbeit direkt in die Bibo für Schwangerschaftsbücher. Ich wollte über alles Bescheid wissen und da mein erster Termin beim Frauenarzt erst ein paar Wochen später sein sollte, musste ich mich eigenständig informieren. Entgegen dem Rat meiner Mama nicht mehr so viel mit mir rum zu schleppen, habe ich mir 6 große Bücher mit nach Hause genommen. Upps…

Kurz darauf war es auch an der Zeit meinen Großeltern zu erzählen, dass sie Urgroßeltern werden würden. Eigentlich sollte das bei einem Familiengrillen im Garten geschehen, aber meine Mama und ich waren schon den ganzen Tag mit meiner Oma auf der Buchmesse in Leipzig unterwegs und seltsamerweise sprach sie von nichts anderem, als Familie, Babys und über die tolle Wickelecke auf der Messe. Nach Stunden langem Grinsen und Nicken, habe ich dann die Bombe platzen lassen und was soll ich sagen, meine Oma hat sich sehr gefreut. Es ging dann schnurrstracks zu unseren Männern in den Garten und meinen Opa begrüßte ich gleich mit den Worten „Hallo Uropa!“ Nach einem kurzen Stutzen und Nachdenken (ich konnte die Rädchen förmlich rattern hören) freute auch er sich und schnauzte Basti erst einmal an, warum er in den letzten Stunden noch nichts gesagt hätte. Alles in allem also ein sehr erfreulicher Tag.

Neben all der Freude haben wir uns natürlich auch etwas Sorgen gemacht, wie wir das Kind schaukeln sollen (Haha… Wortspiel…). Meine Ausbildung sollte noch ca. 15 Monate gehen und Basti wollte sich eigentlich noch neu orientieren mit seinem Job. Dank Beratung und zugesagter Unterstützung meiner Familie und einer Absprache mit Ausbilder sowie Berufsschule, waren wir uns dann doch schneller als gedacht einig über die erste Zeitplanung mit Baby. Ich wollte ca. 10 Monate zu Hause bleiben und dann frisch ins nächste Ausbildungsjahr starten. Basti würde dann auch noch 2-4 Monate übernehmen oder eine Kinderkrippe würde zum Einsatz kommen müssen.

 

Nach dem ersten Belesen und Informieren mit den Bibliotheksbüchern warteten wir dann auf den ersten Termin. Natürlich sind wir zu zweit hingegangen und nach dem erlösenden Satz „Herzlichen Glückwunsch, Sie sind schwanger!“ und dem ersten Ultraschallbild fühlte ich mich gleich viel gelöster. Leider war trotz 8.SSW noch kein Baby zu sehen, was eher ungewöhnlich, aber nicht zwingend besorgniserregend ist. Wir gingen also mit einem recht guten Gefühl und einem Termin in 2 Wochen zur Kontrolle nach Hause. 

Erstes Ultraschallbild in der 8.SSW:

Mein Ultraschallbild in der 8.SSW

2 Wochen später sind wir dann endlich zum nächsten Kontrolltermin gegangen. Ich hatte übrigens seit ein paar Tagen vor dem Termin Schmierblutungen, die aber öfters vorkommen im ersten Trimester. Kaum drinnen im Behandlungszimmer, ging es gleich zum Ultraschall. Ich war mittlerweile in der 10. Woche und man sollte definitiv ein Kind sehen können. Da ich mich mit Ultraschallbildern nun aber gar nicht auskenne, habe ich auch erstmal nichts Ungewöhnliches bemerkt. Leider ging es meiner Frauenärztin anders. Gekonnt machte Sie ein Bild nach dem Anderen, sagte zuerst nichts und ließ dann die Bombe platzen. „Nur ein Windei. Das habe ich mir schon gedacht.“ Ich denke ich muss niemandem erklären, dass ich erstmal nur Bahnhof verstanden habe und mir erst durch ihre trockene fachliche Erläuterung der Problematik „Windei“ klar wurde, dass ich in ein paar Monaten kein Kind bekommen würde. In dem Moment platzte meine riesige Traumblase, in der ich bis dahin zu schweben schien und ich fiel und fiel und fiel… Uns wurde erklärt, dass ich entweder auf eine Fehlgeburt warten könnte, die zu diesem Zeitpunkt schon vom Körper eingeleitet war, oder ich würde ins Krankenhaus fahren und ließ mich ausschaben. Da Ostern vor der Tür stand und die Vorstellung mit dem eben erlangten Wissen die nächsten Tage abwarten zu müssen, entschied ich mich für eine Ausschabung. Wir sind dann sofort ins Krankenhaus, ich wurde nochmal untersucht und beraten. Endlich erhielt ich viele wertvolle Informationen zum Thema Windei.

Ein Windei ist eine Form der Fehlgeburt, die bei ungefähr jeder 5. Schwangerschaft auftritt. Die Dunkelziffer ist wohl noch viel größer, da die Fehlgeburt bei einem Windei oftmals nur als verspätete Monatsblutung von den betroffenen Frauen wahrgenommen wird. Die Gründe für ein Windei sind übrigens noch immer nicht medizinisch begründet. Allerdings kommt dies bei 90% der nächsten Schwangerschaften nicht noch einmal vor. Bei diesem sogenannten Windei entwickelt sich wie bei einer normalen Geburt die Fruchthöhle und das Schwangerschaftshormon HCG wird ausgestoßen. In einer gesunden Schwangerschaft wachsen dann Anlagen für die Plazenta und den Embryo. Die Fruchthöhle bleibt bei einem Windei leer. Das bedeutet, dass zwar die Plazenta wächst, aber nicht der Embryo.

Somit gab es praktisch nie einen Embryo. Kein Baby, welches wie erhofft gesund heranwächst. Kein neues Leben. Kein sich so bald erfüllender Lebenstraum. Am nächsten Tag ließ ich die Ausschabung unter Vollnarkose machen. Mein Gefühl direkt vor der Operation lässt sich nur schwer beschreiben. Angst, Nervosität und Endgültigkeit beschreiben die Situation wohl ganz gut. Kurz vor der OP habe ich dann trotz 3 vorgewärmten Decken gezittert wie Espenlaub. Der OP-Saal war zu steril und die Angst vor dem Bevorstehenden war zum Greifen nahe. Das Aufwachen nach der OP war trotz allem das Schlimmste des Tages. Eigentlich sollte Basti dabei sein dürfen, aber niemanden hat es interessiert und niemand schickte nach ihm. Da lag ich also heulend mit der Gewissheit der Endgültigkeit meiner ersten Schwangerschaft und wurde nur ständig gefragt ob ich Schmerzen hatte. Schmerzen ja, aber keine gegen die ein herkömmliches Schmerzmittel geholfen hätte. Dass ich nach 30 Minuten dann an Basti vorbei in mein Zimmer geschoben wurde und die Krankenschwester nur meinte „Ihr Freund darf jetzt noch nicht rein. Erst in einer Stunde. Schlafen Sie noch etwas.“ war nicht wirklich hilfreich in dieser Situation. Die Stunde schien endlos und als Basti dann endlich kam, hatte ich nur kurz geschlummert und ansonsten still vor mich hin geweint. Das Familiengefühl war weg und ich war plötzlich wieder ganz alleine mit mir selbst und natürlich dem wunderbarsten Mann, den ich mir wünschen könnte.

 

Habt ihr schon einmal von der Theorie gehört: „Wenn ein Leben geht, kommt dafür ein anderes.“? Ich glaube dies ist auch an jenem Tag passiert, denn meine Schwägerin hat am gleichen Tag ihre wunderbare Tochter geboren. Zufall? Schicksal? Egal, das Leben geht weiter und ich glaube fest an eine glückliche Zukunft, die auch für Basti und mich irgendwann kommen wird.

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Kommentare: 3
  • #1

    Papa, Spirelli und Mami (Sonntag, 05 November 2017 11:25)

    Wir lieben euch und sind immer dich euch da!

  • #2

    die Tante (Donnerstag, 16 November 2017 10:20)

    Danke für deinen intensiven und ehrlichen Bericht. Drück Dich aus der Ferne :-)

  • #3

    Omi (Dienstag, 12 Dezember 2017 14:28)

    Dein Bericht war sehr ausführlich und interessant für mich, sei ganz lieb von uns gedrückt

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